BLOG: Wieso Pausieren so wichtig ist

Mach mal Pause!

Irgendwie peinlich. Neulich war ich beim Bäcker und wollte… ja, was wollte ich denn dort? Als ich mit einem freundlichen „Bitte schön“ aufgefordert wurde, meine Bestellung durchzugeben, schaute ich die nette Verkäuferin an und konnte nur „Ähm“, „Hm“ und dann ein „Tja“ hervorbringen. Was wollte meine Familie gleich noch für Kuchenstücke? Obst? Quark? Buttercreme?

 

Mein Hirn war wie leergefegt! Damit, ich nenne es mal meine „Torten-Blockade“ niemand bemerkt, bestellte ich kurzerhand so allerhand. Klar, dass so einiges davon ins Gefrierfach wanderte. Denn eigentlich besteht meine Familie aus 5 Personen und nicht aus einer ganzen Fußballmannschaft.

 „Wer aufhört zu lernen, ist alt. Er mag zwanzig oder achtzig sein.“ Henry Ford

Man lernt bekanntlich nie aus. Ständig stehen wir vor neuen Herausforderungen im Leben. Und vieles müssen wir uns erst einmal aneignen. Doch nur einfach ständig neue Informationen, Zahlen, Daten, Fakten, Gebrauchsanleitungen, eine Rede oder die Abfolge eines neuen Rezeptes in sich hinein zu pauken bringt herzlich wenig. Ohne Pause geht gar nichts! Pause machen ist der wichtigste Faktor für erfolgreiches Lernen und nachhaltiges Merken! Egal, ob es dabei um eine Prüfung, eine Präsentation, einen Vortrag oder einfach generell darum geht, sich Dinge zu merken.

So wandert Gelerntes ins Langzeitgedächtnis

Nur eine Pause gibt dem Gehirn die Möglichkeit, Gelerntes zu verarbeiten. Denn beim Lernen wachsen Nervenzellen und bilden viele neue Synapsen. Dank dieser ständigen neuen Verzweigungen wird Ihr Gehirn immer vernetzter. Dieser Prozess benötigt aber Zeit und kann sogar bis zu acht Stunden dauern! Vor allem beim Lernen wachsen die neuen Verbindungen besonders schnell; der Lernstoff wandert erst jetzt an die richtige Stelle im Gehirn, nämlich ins Langzeitgedächtnis. Wenn das, was Sie sich merken wollen, genau das landen soll, müssen Sie Denk-Pausen einbauen.

Der Körper sendet Signale

Wie bemerkt man, dass genau jetzt Zeit für eine Pause ist? Ganz einfach: Das Gehirn blockiert. Es macht nämlich einfach Pause, ob einem das gerade passt oder nicht. Und das spüren Sie: indem Sie mit Ihren Gedanken abschweifen oder vergessen, was Sie eigentlich gerade tun wollten. Ob Sie schon zum dritten Mal denselben Absatz lesen, ohne sich den Inhalt zu merken oder zum Einkaufen eilen und erst dort feststellen, dass Sie Ihr Portemonnaie vergessen haben. Oder Sie gehen in den Keller, um etwas hochzuholen. Nur was? Unten angekommen, fällt Ihnen nicht mehr ein, was Sie eigentlich im Keller wollten. Ihr Gehirn lässt Sie einfach im Stich, wenn es überladen ist. Füttern Sie es jetzt besser nicht weiter – es wäre umsonst!  

Jeder pausiert auf seine Art

 Legen Sie unbedingt eine Pause ein. Doch wie soll eine Pause überhaupt aussehen? Jeder pausiert anders. Die einen brauchen Bewegung, um den Kopf frei zu bekommen, andere suchen nach ruhiger Entspannung – eben mal kurz aufs Sofa legen oder einfach eine Runde um den Block spazieren. Oder Staubsaugen Sie oder gehen Sie in die Küche, um ein Glas Wasser zu trinken. Wichtig beim Pausieren ist, dass das Gehirn nicht mit neuen Informationen gefüttert ist. Gönnen Sie auch Ihrem Gehirn eine Auszeit. Versuchen Sie, an gar nichts zu denken. Also: Radio aus beim Entspannen, keine Telefonate beim Gassigehen. Auch Fernsehen, ein Computerspiel oder ein Buch zu lesen bedeutet für das Gehirn, wieder neue Informationen und Daten zu verarbeiten. Was Sie zuvor getan haben, wird dann einfach „rausgeworfen“, hat also keine Chance darauf, ins Langzeitgedächtnis zu gelangen. 

Pausieren kann man lernen

Es gibt Techniken, mit denen man die aktive Zeit, zu denen auch Lernphasen gehören, besser nutzen kann. Bei meinem Gedächtnistraining beispielsweise gebe ich Hilfen, wie man sich Dinge besser  merken kann. Dazu gibt es einige verblüffende Tricks. Bei allen meinen Kursen lasse ich genügend Raum zum Verschnaufen. Auch ich brauche ja mal eine Pause. Es gibt außerdem Methoden, besonders achtsam mit sich umzugehen und somit rechtzeitig Signale zu erkennen – bevor Ihr Gehirn auf stur schaltet! Entspannung und Meditation sind mögliche Achtsamkeitsübungen, doch es gibt noch viel mehr, um den Zauber des Augenblicks zu genießen. Doch das ist schon wieder ein neues Thema.

 

Die besten Ideen haben wir übrigens, wenn wir Pause machen! In diesem Sinne gönne ich mir eine kreative Sommerpause. Ab September finden Sie hier wieder regelmäßig „nachgedachtes“ in meinem Blog.

 

Ihre

Verena Fleischmann


Bildnachweis: Nicole Kraß